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MAN TGX

Vier Motorenfamilien von 9 bis 15,2 Litern, fünf Radformeln und die TipMatic mit bis zu 14 Gängen — welcher TGX zu welchem Einsatz passt und worauf beim Gebrauchtkauf zu achten ist.

2020—5 Radformeln243–471 kWEuro 6e
MAN TGX 18.440 tractor unit
Alexandre Prevot from Nancy, France — CC BY-SA 2.0

Modellübersicht

SegmentFernverkehrs-Sattelzugmaschine
Bauzeit2020—
Radformeln5 (4x2…)
AbgasnormEuro 6e
GetriebeMAN TipMatic automated, 12-speed (14-speed with the D30)
Zul. Zuggesamtgewicht40 t (TGX 18.4xx 4x2 tractor with the D26)

Radformeln: 4x2 · 6x2- · 6x2 · 6x4 · 8x4

Motorenfamilien

MAN D15 (D1556)9 l · R6
Leistung
243–294 kW
MAN D26 (D2676)12.4 l · R6
Leistung
324–397 kW
MAN D30 (D3066)12.7 l · R6
Leistung
279–412 kW
Drehmoment
2100–2800 Nm
MAN D38 (D3876)15.2 l · R6
Leistung
397–471 kW
Drehmoment
2700–3000 Nm
Nenndrehzahl
1800 rpm

The D38 6x4 tractor is plated at 44 t against the 40 t of the 4x2 shown above. The D26 peaks at 2,650 Nm in its 397 kW step; MAN does not publish a torque range across the family, so none is shown. The 8x4/4 heavy-haulage tractor is a separate model rated to 250 t and is not covered by the figures above.

Der TGX ist das Fernverkehrs-Flaggschiff von MAN und die Spitze jener Fahrzeuggeneration, die das Unternehmen 2020 vorgestellt hat — der erste vollständig neue Baureihenwurf seit zwei Jahrzehnten. Wo sich der Actros L vor allem über die Kabine abgrenzt, verteilt MAN seine Antwort auf ein ungewöhnlich breites Motorenprogramm. Für einen deutschen Fernverkehrsbetrieb, der eine Zugmaschine über die gesamte Haltedauer durchrechnet, ist genau das die eigentliche Entscheidung: nicht das Modell, sondern die Motorenfamilie darunter.

Vier Motorenfamilien — die Spreizung ist das Argument

Die meisten Wettbewerber führen zwei oder drei Antriebsfamilien. MAN führt vier, und ihre Spannweite ist beabsichtigt: D15 mit 9,0 Litern, D26 mit 12,4 Litern, D30 mit 12,7 Litern und D38 mit 15,2 Litern. Alle vier sind Sechszylinder, alle sind in Euro 6e ausgeführt.

Der D15 (D1556) ist der Leichtbau-Ansatz. Mit 243 bis 294 kW ist er kein Fernverkehrsmotor im klassischen Sinn, sondern die Wahl, wenn Nutzlast schwerer wiegt als Leistungsreserve und das Fahrzeug selten über lange Steigungen geht. Jedes Kilogramm, das der Antriebsstrang nicht wiegt, steht der Ladung zur Verfügung.

Der D30 (D3066) ist das Effizienzstück der aktuellen Baureihe. Er deckt 279 bis 412 kW ab und liefert 2.100 bis 2.800 Nm — als einzige der vier Familien also mit einem durchgängig veröffentlichten Drehmomentband. Er ist zugleich der einzige Motor, der die TipMatic mit 14 statt 12 Gängen bekommt. Das klingt nach einer Randnotiz, ist am Berg aber der Unterschied zwischen der passenden und der nächstbesten Übersetzung.

Der D26 (D2676) überschneidet sich mit 324 bis 397 kW mit dem D30 und läuft neben ihm weiter im Programm. Beim Drehmoment bleibt diese Seite bewusst schmal: MAN nennt für die 397-kW-Stufe eine Spitze von 2.650 Nm, veröffentlicht aber kein Band über die gesamte Familie — deshalb steht hier keines. Auch die Nenndrehzahl des D26 hat die Quellenprüfung nicht überstanden und fehlt aus Absicht, nicht aus Nachlässigkeit.

Der D38 (D3876) ist das schwere Ende: 397 bis 471 kW und 2.700 bis 3.000 Nm bei 1.800 min⁻¹. Wer regelmäßig am oberen Ende der zulässigen Gesamtmasse fährt, kauft hier Reserve, die im Alltag nicht ständig gebraucht wird, im Zweifelsfall aber den Fahrplan hält.

Serienmäßig arbeitet in allen Varianten die automatisierte MAN TipMatic mit 12 Gängen; die 14-Gang-Ausführung bleibt dem D30 vorbehalten.

Was die Motorwahl über die Haltedauer bedeutet

Im deutschen Fernverkehr wird eine Zugmaschine selten über den Anschaffungspreis entschieden, sondern über die Jahre gerechnet, die sie im Betrieb steht. Die Motorenwahl ist darin die Position mit der längsten Wirkung: Sie bestimmt Verbrauch, Masse, Restwert und am Ende die Frage, ob das Fahrzeug in der zweiten Hand noch zu dem Einsatz passt, für den es dann angeboten wird.

Der Fehler, der am meisten kostet, ist dabei nicht der zu kleine, sondern der zu große Motor. Ein D38 in einem Verkehr, der nie wirklich schwer wird, ist gekaufte und über Jahre mitgeführte Reserve. Umgekehrt arbeitet ein D15 vor einem ständig ausgelasteten Zug in topografisch anspruchsvollem Verkehr dauerhaft an seiner Grenze — mit entsprechenden Folgen für Reisegeschwindigkeit und Fahrerakzeptanz.

Und die Fahrerakzeptanz ist bei angespannter Personallage keine weiche Größe. Ein Fahrzeug, das am Berg nicht ständig zurückschalten muss, ist ruhiger zu fahren; eine TipMatic mit 14 Gängen arbeitet feiner als eine mit 12. Wer Fahrer halten will, entscheidet solche Details oft, bevor über den letzten Zehntelliter gesprochen wird. Für den, der im Fahrzeug übernachtet, ist die Kabine kein Komfortextra, sondern der Grund zu bleiben — und ein Fahrzeug, das niemand fahren will, hat gar keine Betriebskosten mehr, sondern nur noch Standkosten.

Radformeln und Gewichte

Fünf Konfigurationen stehen im Programm: 4×2, zwei Ausführungen der 6×2, die 6×4 und die 8×4. Die 4×2 ist die klassische Sattelzugmaschine — die leichteste Variante und richtig für alles, was auf befestigten Straßen bleibt. Die 6×2-Familie bringt eine dritte Achse für Achslasten und Nutzlast, wobei die jeweilige Ausführung beschreibt, was diese Achse tut. Die 6×4 treibt beide Hinterachsen an und wird dort gebraucht, wo Traktion zählt; bezahlt wird sie mit Masse.

Die hier genannte zulässige Zuggesamtmasse von 40 Tonnen gehört zur TGX 18.4xx 4×2 mit dem D26. Diese Zuordnung ist wichtig zu lesen: Die Zahl folgt der Spezifikation und nicht dem Modellnamen und lässt sich nicht ungeprüft auf andere Radformeln oder Motorisierungen übertragen: Die 6×4 mit dem D38 ist für 44 Tonnen zugelassen statt für 40. Wer anders plant, braucht deshalb das Datenblatt genau seiner Ausführung.

Oberhalb des Programms steht die Schwerlast-Zugmaschine 8×4/4, ausgelegt für bis zu 250 Tonnen. Sie ist ein eigenes Modell und keine Variante der oben beschriebenen Baureihe; die Werte dieser Seite gelten für sie nicht.

Beim Gebrauchtkauf

Beim TGX verrät die Motorenfamilie mehr über die Vorgeschichte als die Laufleistung. Ein D15 in einer Fernverkehrsausstattung ist eine Unstimmigkeit, nach der man fragen sollte; ein D38 im Verteilerverkehr ist viel Motor, der angeschafft und über Jahre unterhalten wurde. Keines von beidem ist ein Ausschlusskriterium, aber keines erklärt sich von selbst.

Fragen Sie ausdrücklich nach dem Getriebe. Die 14-Gang-TipMatic gehört zum D30; ein D30 mit 12 Gängen deutet auf ein älteres oder anders spezifiziertes Fahrzeug hin und ist im Fahrverhalten nicht dasselbe Angebot. Lassen Sie sich das im Fahrzeugschein und in der Ausstattungsliste zeigen, nicht nur im Inserat.

Die Unterlagen zum Abgassystem gehören zur Substanz des Kaufs. Bei jedem Euro-6-Fahrzeug ist die Abgasnachbehandlung eine teure Baugruppe, und Lücken in der Dokumentation gehören in den Preis eingerechnet statt in die Hoffnung.

Und dann die Druckluft: Kompressor und Lufttrockner sind bei hoher Laufleistung die Bauteile, die mit der größten Wahrscheinlichkeit schon einmal getauscht wurden. Ihr Zustand — und ob der Tausch überhaupt dokumentiert ist — sagt zuverlässig etwas darüber, wie sorgfältig die gesamte Druckluftanlage behandelt wurde.

Kurz beantwortet

Welche Motoren gibt es im MAN TGX?
Der MAN TGX wird mit 4 Motorenfamilien angeboten: MAN D15 (D1556) (9 l), MAN D26 (D2676) (12.4 l), MAN D30 (D3066) (12.7 l), MAN D38 (D3876) (15.2 l). Die Leistung liegt bei 243–471 kW.
Welche Radformeln bietet der MAN TGX?
4x2, 6x2-, 6x2, 6x4, 8x4.
Welche Abgasnorm erfüllt der MAN TGX?
Euro 6e.

Quellen

  1. MAN TGX — specifications — MAN Truck & Bus
  2. MAN TGX brochure — MAN Truck & Bus
  3. MAN D30 PowerLion driveline — MAN Truck & Bus
  4. MAN introduces new truck generation — MAN Truck & Bus Press